Beziehungskrise um Bin-Laden

Wer wusste wann was im Fall Bin Laden – das Schwarze-Peter-Spiel zwischen den USA und Pakistan ist voll im Gang. Die auch von Präsident Obama geäußerten Zweifel, dass das offizielle Pakistan vom Aufenthaltsort Bin Ladens nichts gewusst haben soll, sorgen in Pakistan für Empörung. In den USA werden im Gegenzug Stimmen laut, die Finanzhilfen für Pakistan einzustellen.

Morgenjournal, 10.05.2011

"Absurde" Anschuldigungen

Der pakistanische Regierungschef Yousuf Raza Gilani hat Vorwürfe zurückgewiesen, sein Land habe Al-Kaida-Chef Osama bin Laden unterstützt. Solche Anschuldigungen seien "absurd", sagte er am Montag vor dem Parlament in der Hauptstadt Islamabad. "Al-Kaida wurde nicht in Pakistan geboren", weshalb sein Land nicht für die Taten des Terrornetzwerks verantwortlich gemacht werden dürfe. Pakistan sei entschlossen, "den Terrorismus auszulöschen und ihm sein Staatsgebiet nicht zur Verfügung zu stellen", sagte Gilani und kündigte eine Untersuchungskommission zu Bin Ladens mehrjährigen Aufenthalt in seinem Land an.

"Alle Geheimdienste versagten"

Gilani räumte ein Versagen der Geheimdienste ein: Sie hätten es nicht vermocht, den Aufenthaltsort Bin Ladens ausfindig zu machen. "Aber das ist nicht nur unser eigenes Versagen, sondern das Versagen aller Geheimdienste dieser Welt."

Innenpolitisch unter Druck

Es war der erste Auftritt des Premiers vor den Parlamentariern seit der US-Kommandoaktion gegen Bin Laden am vergangenen Montag. In den letzten Tagen war die Regierung auch innenpolitisch massiv unter Druck geraten, nachdem ihr von der Opposition und aus den eigenen Reihen vorgeworfen worden war, die Souveränität des Landes nicht geschützt zu haben.

Keine Entschuldigung

Die US-Regierung wies die pakistanische Kritik zurück. Obama sei von dem "Recht" für den Einsatz im pakistanischen Abbottabad sowie deren "Notwendigkeit" überzeugt gewesen, sagte Sprecher Jay Carney am Montag in Washington. Die USA würden sich für die Aktion nicht entschuldigen.

Debatte über Pakistan-Hilfe

Unterdessen werden in den USA Forderungen lauter, die USA mögen ihre Finanzhilfe für Pakistan beenden. Der Abgeordnete Ron Paul, ein Präsidentschaftskandidat der Republikaner, ist generell gegen jede Auslandshilfe durch die USA, besonders aber gegen jene für Pakistan. Ob sich diese Meinung in Washington durchsetzt, bleibt abzuwarten, immerhin ist Pakistan die am schnellsten wachsende Atommacht der Welt. Der Chef der Republikaner im Repräsentantenhaus, John Boehner, hat sich schon für die Beibehaltung der Finanzhilfe an Pakistan ausgesprochen.