Von Sarkozy zu Hollande

Aufbruchstimmung in Frankreich: Nach dem Sieg von Francois Hollande bei der Präsidentenwahl bereiten sich die Sozialisten auf die Machtübernahme vor. Der scheidende französische Präsident Nicolas Sarkozy übergibt die Amtsgeschäfte am 15. Mai an seinen Nachfolger.

Mittagsjournal, 7.5.2012

Aus Paris,

Jubel unter den Sozialisten

"Sarcó c'est fini", das war's mit Sarkozy - jubeln zehntausende Anhänger des Sozialisten am Abend in Paris auf dem symbolträchtigen Bastille-Platz, dort, wo die Französische Revolution ihren Anfang genommen und wo sich auch schon Francois Mitterrand feiern ließ.

Einen politischen Neustart kündigt Hollande an, kaum steht fest, dass er der nächste Mann im Elysée-Palast sein wird. Der 57-Jährige sieht sich nicht nur als Hoffnungsträger für Frankreich, sondern für alle Verlierer der Wirtschaftskrise in ganz Europa, für viele, die glauben, vom Sparzwang erdrückt zu werden.

Amtsübernahme am 15. Mai

Die Amtszeit Sarkozys endet offiziell am 15. Mai um Mitternacht. Bereits am Dienstag soll der Sozialist Hollande zusammen mit Sarkozy an den Feiern zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkrieges teilnehmen. Laut dem amtlichen Endergebnis, das das Innenministerium am Montag veröffentlichte, gewann Hollande die Stichwahl um das Präsidentenamt mit 51,62 Prozent der Stimmen. Sarkozy kam auf 48,38 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 80,34 Prozent.

Namenskarussell dreht sich

In den Medien zirkulierten am Montag bereits etliche Namen von Spitzenpolitikern, denen gute Chancen auf Top-Posten in der künftigen Regierung zugesprochen werden. Es gilt als sicher, dass der 57 Jahre alte Hollande direkt nach seiner Amtseinführung einen neuen Premierminister und anschließend sein künftiges Kabinettsteam präsentieren wird.

Als großer Favorit für das Amt des Premierministers wird Hollandes Sonderberater Jean-Marc Ayrault gehandelt. Der ehemalige Deutschlehrer und langjährige Fraktionschef der Sozialisten in der Nationalversammlung gilt als moderate Alternative zu Parteichefin Martine Aubry. Zudem werden ihm gute Drähte nach Berlin nachgesagt.

"Präsident der Jugend und Gerechtigkeit"

Mit Hollande wird erstmals seit dem Ende der Mitterrand-Ära vor 17 Jahren wieder ein Sozialist Präsident in Frankreich. Der Wahlsieger ließ sich in der Nacht bei einer riesigen Freiluft-Party auf dem geschichtsträchtigen Pariser Bastille-Platz feiern. Zehntausende Anhänger hatten sich dort versammelt, wo 1789 die Französische Revolution ihren Anfang genommen hatte.

In einer kurzen Rede dankte Hollande seinen Wählern für das Vertrauen. "Ich weiß nicht, ob Ihr mich versteht. Aber ich habe Euch verstanden", rief er der jubelnden Menge von einer Bühne mit heiserer Stimme zu. Er habe den Wunsch nach Veränderung vernommen und werde der Präsident der Jugend und Gerechtigkeit sein.

Parlamentswahl im Juni

Hollande forderte seine Anhänger zudem auf, sich auch für einen Sieg der Linken bei den Wahlen zur Nationalversammlung im Juni zu engagieren. Als Präsident brauche er in der ersten Kammer des Parlaments eine Mehrheit. Der 57-Jährige erinnerte zudem an den 10. Mai 1981. Damals vor 31 Jahren hatte die Linke am Bastille-Platz den Wahlsieg von Francois Mitterrand gefeiert. Er war bis 1995 der erste und bisher einzige direkt gewählte sozialistische Präsident Frankreichs gewesen.

Neues Machtgefüge in Europa

Mit Spannung wird erwartet, welche Auswirkungen der Machtwechsel in Paris auf die Europa- und Wirtschaftspolitik des Landes haben wird. Hollande will sich für einen deutlich weniger harten Sparkurs in der Eurokrise einsetzen. "Der 6. Mai wird ein neuer Start für Europa sein, eine neue Hoffnung für die Welt", sagte er in seiner ersten Rede nach dem Wahlsieg. Auf dem Bastille-Platz rief er wenig später erneut zum Wandel in Europa auf.

Ein Treffen zwischen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Hollande soll es direkt im Anschluss an die Amtseinführung geben. Der Sozialist erhielt noch am Wahlabend eine Einladung der deutschen Regierung nach Berlin. (Text: APA, Red.)