Studie: Homosexuelle oft diskriminiert

Homosexuelle und Transgender-Personen können sich in Europa kaum oder nur schwer zu ihrer Neigung bekennen. Oft verheimlichen sie ihre Identität, leben in Isolation oder Angst. Viele von ihnen erleben Gewalt, wenn sie sich zu ihrer sexuellen Ausrichtung bekennen. In den Schulen ist die Situation besonders schlimm, ergab eine aktuelle Studie.

Mittagsjournal, 17.5.2013

Attacken und Drohungen

So sein wie man ist und das auch zugeben, ist für die Mehrheit der Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender-Personen in Europa schwer möglich, belegt nun eine Internet-Umfrage der EU-Grundrechteagentur in Wien unter 93.000 Europäerinnen und Europäern. Was das öffentliche Einbekennen einer Partnerschaft betrifft, habe die Studie ergeben, dass sich 66 Prozent einfach nicht trauen, auf der Straße Händchen zu halten, sagt Dennis van der Veur, Gleichbehandlungsexperte der EU-Grundrechte-Agentur. In Österreich sind es 56 Prozent der Befragten, die sich nicht trauen, Händchen zu halten.

Die erlebte Ausgrenzung geht aber bis zu Attacken und Drohungen: Mehr als ein Viertel seien in den letzten fünf Jahren wegen ihrer sexuellen Orientierung oder Gender-Identität bedroht worden. In Österreich haben 23 Prozent der Befragten von Gewalt oder Drohungen berichtet - vor allem Transgender-Personen sind betroffen. Bei der Polizei angezeigt wird hierzulande aber nur jeder zehnte Fall.

Mobbing in Schulen

Besonders dringenden Handlungsbedarf sieht die Grundrechte-Agentur mit ihren rund hundert Mitarbeitern in den österreichischen und europäischen Schulen. Denn tausende Befragte hätten ihre Schulzeit als Hölle erlebt, sagt Grundrechte-Agentur-Sprecher Friso Roscam Abbing: "Sie haben mit sich gekämpft und ihre eigene sexuelle Identität selbst erst erkannt. Dabei sind sie gemobbt worden oder haben erlebt, wie Kollegen gemobbt oder etwa schwulenfeindlich beschimpft wurden. 80 Prozent hatten solche Probleme." Die Grundrechte-Agentur wünscht sich daher, dass Homosexualität und Transgender-Themen in den Schulen offen angesprochen werden und dass Lehrer gezielt geschult werden.

Kein gesetzlicher Schutz

Handlungsbedarf auf gesetzlicher Ebene ortet die Grundrechte-Agentur bei den Gleichbehandlungsgesetzen in Österreich und anderen Staaten. Denn derzeit gibt es gesetzlichen Schutz vor Diskriminierung aufgrund der sexuellen Neigung vor allem im Bereich des Arbeitsmarkts. Diesen Schutz auch auf andere Bereiche auszudehnen, etwa die Wohnungssuche und Restaurants, werde in einigen Ländern gerade diskutiert, sagt Grundrechteagentur-Sprecherin Waltraud Heller.

Experten zufolge könnte in Österreich sogar eine Wohnung mit dem Hinweis "nicht für Schwule" inseriert werden. Jüngste Versuche, das Gleichbehandlungsgesetz zu ändern sind aber erst diese Woche gescheitert. Die ÖVP hat eine Bevormundung von Unternehmern befürchtet.