NSA: Millionenfache Dateneinsicht

Neue Enthüllungen über die Abhöraktionen der amerikanischen NSA bringen nun auch US-Präsident Obama auf den Plan. Die wichtigsten Mitglieder des Kongresses sind ins Weiße Haus eingeladen, um für etwas Beruhigung zu sorgen. Nach den letzten Informationen sollen weitaus mehr NSA-Mitarbeiter Zugang zu den heiklen Daten gehabt haben als bisher bekannt.

Obama auf Laptopschirm, dahinter Mann mit Kopfhörern

(c) Roberts, EPA

Mittagsjournal, 1.8.2013

Behörde dementiert

Mehr als eine Million Mitarbeiter der NSA und diverser Firmen, die für die NSA arbeiten, hätten über das Programm "XKeyscore" Zugang zu den gesammelten Kommunikationsdaten. Das hat die britische Tageszeitung "The Guardian" jetzt enthüllt. Auch diese Information kommt von Edward Snowden.

Die NSA widerspricht diesen Informationen - doch die US-Politik sieht sich jetzt dazu genötigt, Aktivität in dieser Causa zu zeigen. Und so lädt US-Präsident Obama die wichtigsten Kongressmitglieder heute ins Weiße Haus, um sie zu beruhigen. Und auch der sonst so medienscheue NSA-Chef Keith Alexander ist auf einer ungewöhnlichen PR-Tour.

Millionen Menschen unter Beobachtung

Man kann zu Edward Snowden stehen wie man will - aber auch seine größten Kritiker können eines nicht verleugnen: Er hat eine Diskussion angestoßen, die sich durch Beschwichtigungsformeln nicht mehr einfangen lässt. Auch nicht in den überwachungsfreundlichen USA. Und so wird heute US-Präsident Barack Obama eine hochrangige Delegation beider Parteien aus dem Kongress empfangen, um ihnen über das Computerprogramm "XKeyscore" zu berichten, das die nahezu vollständige Überwachung aller Kommunikationsaktivitäten der Welt zulässt.
Denn auch immer mehr Abgeordnete zeigen sich besorgt, wie viele Bürger abgehört werden.

Natürlich geht es nur um Amerikaner - der Rest der Welt ist hier kein Thema. Aber immerhin sind auch die US-Zahlen beeindruckend: Jeder Amerikaner kommuniziert elektronisch pro Tag mit 40 verschiedenen Menschen. Deshalb wird mit den Daten von nur einem Terrorverdächtigen auch gleich das Kommunikationsverhalten von weiteren 2,5 Millionen Menschen analysiert - weil eben alles zusammenhängt.

Keith Alexander in der Offensive

Nun will das Weiße Haus mit den Abgeordneten über mögliche Einschränkungen für die Geheimdienste reden, zumindest aber über die bessere Überwachung der Überwacher.

Doch so leicht will man sich beim NSA nicht geschlagen geben - und deshalb hat der Chef des NSA, Keith Alexander, etwas geta,n was der Grundidee von Geheimdiensten widerspricht: Er startet eine PR-Kampagne in eigener Sache. Und begibt sich gleich in die Höhle des Löwen, zu einer Hacker-Konferenz in Las Vegas. Keith Alexander versucht dort vor dem gespannten Publikum, seine Sicht der Dinge zu kommunizieren.
Er sagt, ein Kongressausschuss habe die Aktivitäten die NSA der vergangenen vier Jahre untersucht mit dem Ergebnis, dass niemand in der NSA den Rahmen, den das Gesetz vorgibt, verlassen habe.

Es heiße in der Öffentlichkeit immer, die NSA könnte dieses und jenes tun - aber man tue es nicht, so Alexander weiter. Und eines sei klar: "Wenn wir jedem genau sagen würden was wir tun, dann wüssten die Feinde wie sie uns umgehen könnten. Deshalb glaube ich, dass die Enthüllungen die Sicherheit in unserem Land gefährden."

So richtig zu glauben scheint man ihm das hier nicht. Nachdem er sagt: "Wir, die NSA stehen für Freiheit" - kommt aus dem Publikum der Ruf: "Schwachsinn". - In Sachen Öffentlichkeitsarbeit kann die NSA ihre Techniken also noch verfeinern.

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