Peter Handke

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Literaturnobelpreis an Handke und Tokarczuk

Der Österreicher Peter Handke und die Polin Olga Tokarczuk werden mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Die Schwedische Akademie in Stockholm hat die Auszeichnung doppelt vergeben - jene für das Jahr 2018, als der Preis nach Querelen innerhalb der Akademie ausgesetzt wurde, und nun eben auch für 2019.

Die beiden Nachfolger von Kazuo Ishiguro (2017) wurden vom neuen Ständigen Sekretär der Schwedischen Akademie, Mats Malm, traditionell um Punkt 13:00 Uhr bekanntgegeben. Das Preisgeld beträgt (jeweils) neun Millionen schwedische Kronen, ca. 831.000 Euro.

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Tonspuren | 13 10 2019

Der österreichische Autor Peter Handke verkörpert wie kein Zweiter die Autonomie des Schriftstellers. Von Anfang an hat er polarisiert, von Anfang an gab es große Zustimmung und scharfe Ablehnung und bis heute teilt sich das Lager in Handke-Fans und Handke-Gegner. Handke ist ein Autor, bei dem die Meinungen auseinandergehen. Warum das so ist, verhandelt das Ö1 Kulturjournal ab 17:09 Uhr.

Peter Handke wurde am 6. Dezember 1942 in Griffen geboren, einem kleinen Kärntner Ort, dem er bis heute verbunden ist. Seit vielen Jahren lebt Handke in Paris. Erste Publikationen in der Zeitschrift "manuskripte" und erste Lesungen im Radio waren ein hoffnungsvoller Beginn. 1965 gelang es Freunden wie Alfred Kolleritsch, für Handkes Debütroman "Die Hornissen" den renommierten Suhrkamp Verlag zu interessieren, wo das Buch im Frühjahr 1966 erschien. Handke brach sein Jus-Studium ab und lebte fortan als freier Schriftsteller.

Mehr dazu in

ORF.at - Literaturnobelpreis für Peter Handke
ORF.at - Warum Handke?
ORF.at - Peter Handke und das Jugoslawien-Trauma

Jurybegründung

Peter Handke bekommt den Nobelpreis 2019 für ein einflussreiches Werk, das mit linguistischem Einfallsreichtum, die Ränder und Besonderheit menschlicher Erfahrung erforscht.

Jelinek gratuliert

Der aus Kärnten stammende Schriftsteller ist der erste österreichische Preisträger seit Elfriede Jelinek (2004). Seine Vorgängerin hat begeistert auf die Vergabe des Literaturnobelpreises 2019 an Peter Handke reagiert.

"Großartig! Er wäre auf jeden Fall schon vor mir dran gewesen", schrieb die Autorin der APA. Für Jelinek, die den Preis selbst 2004 erhalten hatte, war es "höchste Zeit!" Sie freue sich auch, dass die Auszeichnung an jemanden gehe, "auf den sie in Österreich endlich stolz sein werden".

Erste Reaktionen der Ausgezeichneten

Trotz der Negativschlagzeilen um die Schwedische Akademie aus dem Vorjahr wollen beide Literaturnobelpreisträger zur Preisverleihung nach Stockholm kommen. "Beide haben zugesagt", sagte der Vorsitzende des Nobelkomitees der Akademie, Anders Olsson, am Donnerstag bei der Doppel-Bekanntgabe der Preise 2018 und 2019 in Stockholm. Mit den Preisen werden die Polin Olga Tokarczuk (2018) und Peter Handke (2019) ausgezeichnet.

Handke sei zu Hause gewesen, als er den Anruf der Juroren erhalten habe, sagte Olsson. "Er war sehr, sehr gerührt. Erst hat er kaum ein Wort herausbekommen." Dann habe der Österreicher auf Deutsch gefragt: "Ist das wahr?"

Der Ständige Sekretär der Akademie, Mats Malm, berichtete davon, dass Tokarczuk gerade während einer Lesetour in Deutschland im Auto gesessen und deshalb erst einmal am Straßenrand anhalten habe müssen, um die Botschaft entgegenzunehmen.

Olga Tokarczuk, Literaturnobelpreisträgerin 2018

Die 1962 in Sulechow geborene Olga Tokarczuk studierte in Warschau Psychologie, bevor sie sich verstärkt dem Schreiben widmete. Nach Abschluss ihres Studiums war Tokarczuk aber noch als Therapeutin tätig, erst Ende der 1990er nahm die Literatur einen größeren Platz in ihrem Leben ein. 1993 erschien ihr Romandebüt "Die Reise der Buchmenschen", in dem sie ihre Protagonisten in der spanisch-französischen Grenzregion des 17. Jahrhunderts nach einem mysteriösen Buch suchen lässt.

Olga Tokarczuk

Olga Tokarczuk im Jahr 2018 bei der Verleihung des Man-Booker-Prize, den sie für ihren Roman "Unrast" erhalten hatte.

AP/MATT CROSSICK

Seitdem hat sich Tokarczuk zu einer der profiliertesten Autorinnen ihres Heimatlandes entwickelt. Der endgültige Durchbruch folgte mit ihrem dritten Roman "Ur und andere Zeiten" (1996), in dem sie sich auch mit der polnischen Geschichte des 20. Jahrhunderts auseinandersetzte. In den folgenden Jahren erschienen einige ihrer Werke auch in dem von Tokarczuk selbst gegründeten und geführten Verlag Ruta.

Jurybegründung

Olga Tokarczuk wurde die Auszeichnung rückwirkend für 2018 zuerkannt und zwar für ihre narrative Vorstellungskraft, die, in Verbindung mit enzyklopädischer Leidenschaft, für das Überschreiten von Grenzen als eine neue Form von Leben steht.

Die Wettquoten, hatten heuer vor allem Frauen voran gesehen. Beim britischen Wettanbieter Nicerodds standen zuletzt unter anderem die kanadische Dichterin Anne Carson und ihre aus Guadeloupe stammende Kollegin Maryse Condé hoch im Kurs.

Neustart für Literaturnobelpreis

Mit der doppelten Preisvergabe versuchte die Schwedische Akademie, wieder für positive Schlagzeilen zu sorgen. Die Querelen um das mittlerweile ausgetretene Akademiemitglied Katarina Frostenson und ihren Ehemann Jean-Claude Arnault haben den Ruf der Institution ramponiert.

Der Skandal war bereits im November 2017 im Zuge der "#MeToo"-Enthüllungen ins Laufen gekommen. Arnault wurde in Schweden wegen Vergewaltigung zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt, nachdem 18 Frauen in der schwedischen Zeitung "Dagens Nyheter" Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung und Übergriffen gegen den Franzosen vorgebracht hatten. Zudem warf die Akademie Frostenson und Arnault vor, die Literaturnobelpreisträger vorab ausgeplaudert und damit gegen ihre Geheimhaltungspflicht verstoßen zu haben.

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ORF.at - Frauen Favoritinnen

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Text. APA, ORF.at, Red.

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