Oscar-Vorschau

In der Nacht vom 25. Auf den 26. Februar werden in Hollywood zum 84. Mal die Oscars verliehen. Die großen Favoriten sind Martin Scorseses 3-D-Verfilmung des Jugendbuchs "Hugo Cabret" mit elf Nominierungen und der französische, ganz in Schwarz-Weiß gehaltene Stummfilm "The Artist" mit zehn. Bei den Darstellern hoffen Meryl Streep und George Clooney auf die goldenen Statuetten.

Mittagsjournal, 25.02.2012

Gleich elf Nominierungen kann Martin Scorseses dreidimensionaler Flug zurück in die Frühzeit des Kinos verbuchen. Sein "Hugo Cabret" ist eine Hommage an George Meliès, der Anfang des 20. Jahrhunderts das Kino zum Ort von Spezialeffekt und Attraktionen machte.

Überhaupt scheint die Nostalgie dieses Jahr groß geschrieben zu werden in der Academy, denn auch der zehnfach nominierte "The Artist" des französischen Regisseurs Michel Hazanavicius kehrt in die Stummfilmzeit des Kinos zurück. Vom Verband der US-Regisseure wurde Hazanavicius schon ausgezeichnet und das bedeutet in Los Angeles viel. Denn seit 1948 ist es nur sechs Mal vorgekommen, dass mit diesem Preis bedachte Regisseure nicht den Regie-Oscar geholt haben.

Zurück in die 1930er

In Nostalgie übt sich auch Regie-Altmeister Woody Allen, denn in "Midnight in Paris" kehrt der Protagonist in das Paris der 1930er Jahre zurück. Allen hat schon drei Oscars im Regal stehen, der letzte, für "Hannah und ihre Schwestern", ist allerdings schon 26 Jahre her. Keine der Auszeichnungen hat er übrigens persönlich entgegengenommen.

Nur Außenseiterchancen im heurigen Oscarkampf werden dem Rassismus-Drama "The Help" eingeräumt. Der Streifen hat seinen Sieg allerdings schon eingefahren, denn "The Help" war an den Kinokassen der erfolgreichste aller nominierten Filme.

Und wieder einmal: Meryl Streep

Als beste Hauptdarstellerin wird wohl Meryl Streep das Rennen machen. In "Die Eiserne Lady" ist sie in die Rolle der an Alzheimer erkrankten Maggie Thatcher geschlüpft. Und dass die Kombination historische Persönlichkeit und psychisches Leiden bei der Academy gut ankommt, hat sich schon letztes Jahr gezeigt, als Colin Firth für seine Darstellung des stotternden englischen Königs George VI. mit einem Oscar ausgezeichnet wurde.

Meryl Streeps Kontrahentin Michelle Williams schlägt mit ihrer Darstellung der labilen Marilyn Monroe zwar in eine ähnliche Kerbe, schafft es aber nicht wirklich, die Aura des zerbrechlichen Sexsymbols zu vermitteln.

Bei den Herren stellt sich George Clooney zum dritten Mal in fünf Jahren für den Hauptdarstellerpreis an. In der Tragikomödie "The Descendants" spielt er, einmal nicht slick und unantastbar, einen überforderten Familienvater. Der Wechsel des Rollenfachs wird sicher goutiert werden, nur trifft Clooney im Oscar-Duell auf einen fast übermächtigen Gegner: Der Franzose Jean Dujardin wurde für seine Darstellung eines Stummfilmstars in "The Artist" nämlich schon mit dem Schauspielerpreis in Cannes und mit dem Golden Globe ausgezeichnet und so etwas wirft seine Schatten voraus, man erinnere sich nur an den Siegeslauf von Christoph Waltz vor zwei Jahren.

Wird Oscar-Rekord eingestellt?

Rein theoretisch wäre es Martin Scorsese mit seinen elf Nominierungen für "Hugo Cabret" heuer übrigens möglich, den bestehenden Oscar-Rekord einzustellen. Bisher haben es nur "Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs", "Titanic" und "Ben Hur" geschafft, in einem Jahr elf Auszeichnungen mit nach Hause zu nehmen.

Viele Nominierungen schützen aber auch vor Schaden nicht. Das musste etwa Steven Spielberg 1986 erfahren, als sein Drama "Die Farbe Lila" trotz elf Nominierungen völlig leer ausging.

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