OMV-Chef Spritpreis folgt dem Markt

OMV-Chef Gerhard Roiss bestreitet, dass die hohen Spritpreise ein gutes Geschäft für den Konzern sind. Er macht aber Hoffnung, dass der Ölpreis zurückgeht. Preisregelungen bezeichnet der OMV-Chef als problematisch. Im Übrigen konzentriert sich die OMV auf das Gasgeschäft als Übergang zu erneuerbarer Energie, wie Roiss im Ö1 Interview erläutert.

Mittagsjournal, 27.4.2012

OMV-Generaldirektor Gerhard Roiss "Im Journal zu Gast" bei Volker Obermayr

Kein Geschäft mit Tankstellen

Roiss äußert im Interview "Im Journal zu Gast" Verständnis für den Ärger über die hohen Treibstoffkosten, verweist aber darauf, dass Österreich bei den Spritpreisen im unteren Drittel in Europa liege. Was die Preiserhöhungen zu Ostern betrifft, versichert Roiss, dass sich die OMV an die Preisbewegungen des Marktes in Rotterdam gehalten habe. Dass die OMV am Spritpreis gut verdient, weist der Firmenchef zurück: Die Gewinne kämen vor allem aus der Rohöl-Suche und -Förderung. Das Tankstellengeschäft werde immer mehr abgebaut. Das Raffineriegeschäft sei wegen der hohen Überkapazitäten schwierig geworden.

Preisverfall bei Rohöl?

Überlegungen der Politik für eine Spritpreisregulierung bezeichnet Roiss als "problematisch". Marktmechanismen seien das bessere Regulativ. Über die Preisentwicklung will der OMV-Chef keine Vorhersagen treffen, aber ein OPEC-Vertreter habe ihm gesagt, dass die Rohölpreise eher sinken würden - Richtung 100 Dollar je Fass, manche hielten auch einen regelrechten Preisverfall für möglich.

Gas als Überbrückung

Dass sich die OMV nun so stark auf das Gasgeschäft konzentriert, erklärt Roiss damit, dass Gas als "sauberste fossile Energie" eine wichtige Rolle für den Übergang auf erneuerbare Energie spiele, also für die nächsten 30 bis 70 Jahre. Die OMV als Konzern setze auch auf erneuerbare Energie "der zweiten Generation", also auf Geothermie, Abfallverwertung und Wasserstoff. Die Entwicklung brauche aber noch fünf bis zehn Jahre.

Gasnetz mit Österreich-Anschluss

In der Energiepolitik der EU spiele Gas noch eine zu geringe Rolle, kritisiert Roiss, weil Gas im Gegensatz zu Atomenergie oder Kohle keine Lobby habe und nationale Egoismen zu stark seien. Wichtig sei es, dass Gasleitungsnetze von den Gasfeldern nach Europa und auch innerhalb Europas gebaut werden - Stichwort Nabucco. Roiss geht weiterhin davon aus, dass in wenigen Jahren Gas aus dem Raum Kaspisches Meer Richtung Westen strömt. Das Piplineprojekt namens Nabucco sieht er nicht gefährdet. Alternativen gebe es nicht, Europa brauche 150 Milliarden Kubikmeter Gas. Die Northstream-Pipeline schaffe nur 50 Milliarden, die erste Ausbauphase von Nabucco bringe 15 Milliarden. Wichtig sei jedenfalls, dass eine der Pipelines in Baumgarten in Österreich eingebunden werde, so Roiss. Als Zeitpunkt nennt er 2017 bis 2020.

Schiefergas: Warten auf die EU

Was die umstrittenen Pläne zur Schiefergasförderung im Weinviertel in Niederösterreich betrifft, verweist der OMV-Chef auf die EU, die die Menschen aufklären sowie Standards festsetzen müsste. Das Projekt liege jedenfalls auf Eis, bis die EU entsprechende Prioritäten setze.

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