"Frauenpensionsalter nicht antasten"

Im Zuge der Spardebatte ist u.a. auch von einer Anhebung des Frauenpensionsalters auf das der Männer die Rede. Nach der derzeitigen Rechtslage ist das erst im Jahr 2033 der Fall. Und so soll es auch bleiben, so die Meinung einer Allianz mehrerer Frauengruppen, von den Gewerkschaftsfrauen bis hin zu den katholischen und evangelischen Frauen-Bewegungen.

Mittagsjournal, 14.12.2011

Zuerst die Gleichstellung

Zuerst müsse es echte Gleichstellung für Frauen geben und erst dann könne man über eine vorzeitige Anhebung des Pensionsalters reden, sagen die Vertreterinnen von über einer Million organisierter Frauen heute. ÖGB-Frauenvorsitzende Brigitte Ruprecht rechnet vor, dass es derzeit 24,3 Prozent Einkommensunterschiede bei ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung gebe und über 40 Prozent wenn man Teilzeitarbeit einrechnet. Es könne nicht sein, dass es immer noch keine Gleichstellung gebe, aber dafür eine weitere Schlechterstellung.

Vor fast 20 Jahren sei vereinbart worden, das Frauenantrittsalter erst ab 2024 schrittweise von 60 auf 65 anzuheben, es also an das der Männer anzugleichen - solange, so die Prognosen damals würde es dauern, echte Gleichberechtigung herzustellen. Davon sei man aber noch immer weit entfernt, sagt Ruprecht.

Es geht um zwei Jahre

Das bestätigt auch Christa Pölzlbauer vom österreichischen Frauenring, der Dachorganisation von Frauenverbänden und Vereinen. Und sie erinnert daran, dass das tatsächliche Pensionsantrittsalter von Männern und Frauen gar nicht weit auseinander liegt. Männer gehen im Schnitt nämlich mit knapp 59 in Pension, Frauen mit etwa 57. Das seien nur zwei Jahre und damit nicht sehr viel, wenn man die unbezahlte Arbeit der Frauen berücksichtige.

Weitere Verluste drohen

Außerdem sei es ein Mythos, dass eine Anhebung des Antrittsalters mehr Pension für die Frauen bedeuten würde, sagt Marion Breiter vom Netzwerk Frauen-Beratungsstellen. Im Gegenteil, sie wären länger arbeitslos und damit würden sie eine geringere Pension haben als es jetzt schon der Fall sei. Und statt mehr Pensionen müsse der Staat dann mehr Arbeitslose bezahlen, das würde das Budget auch nicht entlasten, so die Frauenvertreterinnen. Eine Entlastung würde es aber bringen, wenn die Menschen länger arbeiten könnten, so Gewerkschafterin Ruprecht. Hier seien die Betriebe gefordert.

Außerdem, so die Frauenallianz müsste die Arbeitsbedingungen so geändert werden, dass die Menschen länger gesund bleiben und so die Zahl der Invaliditätspensionen gesenkt werden könne.