Migranten auf Arbeitsmarkt benachteiligt

In Österreich ist die Arbeitslosenquote mit vier Prozent so niedrig wie in keinem anderen der 27 EU-Mitgliedsstaaten. Vielen Menschen mit Migrationshintergrund nützt das aber wenig, denn sie haben es auf dem österreichischen Arbeitsmarkt doppelt so schwer wie Einheimische.

Mittagsjournal, 22.8.2011

Astrid Petermann

Hundstorfer: "Verstärkt hinschauen"

Für Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) ist das ein Grund, sich in diesem Bereich weiter anzustrengen. "Klar ist, wir müssen verstärkt hinschauen, weil Migrantinnen und Migranten doppelt so stark von Arbeitslosigkeit betroffen sind wie Östereicherinnen und Österreicher", mahnt Hundstorfer. Außerdem würden Migranten viel häufiger unterqualifiziert beschäftigt.

Migranten statistisch erfassen

So wie es beim Arbeitsmarktservice (kurz AMS) spezielle Angebote für Frauen, Wiedereinsteiger oder Jugendliche gibt, sollen künftig auch Menschen mit Migrationshintergrund gezielt gefrödert werden. Ein erster Schritt in diese Richtung sei es, Menschen mit Migrantinnen und Migranten statistisch überhaupt erst einmal zu erfassen, sagt AMS-Chef Johannes Kopf.

Nur so könne das AMS dieser Zielgruppe über Hürden wie sprachliche Defizite oder fehlende Netzwerke helfen, Problemen gezielt entgegensteuern und Migrantinnen und Migranten durch eine deutlich intensivere Betreuung den Einstieg ins Berufsleben erleichtern.

Politische Abwägung

Dass Menschen durch die neue statistische Erfassung zusätzlich stigmatisiert werden könnten, glaubt Kopf nicht. Trotzdem hält er die neue, von Sozialminister Hundstorfer initiierte Maßnahme für einen mutigen politischen Schritt.

"Ich glaube, das ist eine zutiefst politische Abwägung: Ist es besser, ehrlich zuzugeben, dass es diese Zielgruppe auf dem Arbeitsmarkt schwerer hat, oder ist es besser, dieses Problem zu verschweigen und nicht zu sagen, wie viele denn da arbeitslos sind, die Migrationshintergrund haben?", sagt Kopf.

Keine zusätzlichen Mittel

Zusätzliches Geld wird es für die neue, gezielte Förderung von Migrantinnen und Migranten aber nicht geben. Bisher hat das AMS 300 Millionen Euro an Fördermitteln für diese Gruppe bereitgestellt, diese Summe soll auch in Zukunft nicht aufgestockt werden.

Wie lange es dauern wird, bis die Arbeitslosigkeit von Migrantinnen und Migranten wirklich sinkt, darauf wollten sich heute weder Sozialminister Hundstorfer noch AMS-Chef Kopf festlegen. Denn die neue Initiative hat noch einen großen Haken - es fehlt die gesetzliche Grundlage, die der Nationalrat erst schaffen muss.