Bücher

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Ein "buntes" Jahr

Das Literaturjahr 2018

Mit Arno Geigers viel gerühmtem Bestseller "Unter der Drachenwand" hat das Jahr begonnen. Was kam danach? Was hat das Literaturjahr 2018 gebracht? Gab es besondere Entdeckungen oder Ärgernisse? Was wurde in den Feuilletons groß besprochen, haben sich so etwas wie literarische Trends abgezeichnet? Und welche Titel waren und sind im Buchhandel erfolgreich? Eine erste Bilanz.

Morgenjournal | 19 12 2018

Kristina Pfoser

Kulturjournal Spezial | 19 12 2018 | Was könnte von Bücherjahr 2018 bleiben? Darüber diskutieren Wolfgang Paterno (Profil), Brigitte Schwens-Harrant (Furche) und die Buchhändlerin Bettina Wagner.

Kristina Pfoser

Buchumschlag: "Unter der Drachenwand"

HANSER VERLAG

Unter der Drachenwand

"Die Hauptstadt" von Robert Menasse, Daniel Kehlmanns "Tyll" und "Die Zweisamkeit der Einzelgänger" von Joachim Meyerhoff - im Vorjahr waren es drei Spitzentitel, die den Weihnachtsbuchhandel dominiert haben. Heuer ist das Feld breiter aufgestellt: "Es gibt Jahre, in denen sich Trends deutlicher abzeichnen als 2018", meint die Feuilletonchefin der "Furche" Brigitte Schwens-Harrant, "aber es war ein sehr buntes und interessantes Jahr."

Geschichten und Geschichte

Der "Roman des Jahres", so der "Spiegel" in seiner aktuellen Literaturbeilage, ist bereits Anfang Jänner erschienen: "Unter der Drachenwand" von Arno Geiger - und das markierte doch auch einen Trend, meint der Kulturredakteur des "Profil" Wolfgang Paterno: "Familiengeschichte, österreichische Geschichte oder auch die genaue Aufarbeitung von Familiengeschichten, die in der NS-Geschichte wurzeln." Genannt sei da nicht nur "Am Seil" von Erich Hackl, sondern auch zwei Debüts: Hanna Sukares "Schwedenreiter" und Ljuba Arnautovic mit ihrem Roman "Im Verborgenen".

Mediengetöse und Verkaufserfolg

Aber zurück an den Start: Begonnen hat das Literaturjahr 2018 mit einem gewaltigen Mediengetöse - mit Spannung erwartet, kontroversiell diskutiert war "Die Ermordung des Commendatore" von Haruki Murakami. "Auffallend war, dass es da sehr ausführliche Rezensionen gegeben hat, auch viel Lob, aber immer wieder wurde erwähnt, dass das Buch eigentlich nicht gut geschrieben sei. Das ist schon ziemlich eigenartig, weil wenn ein Buch nicht gut geschrieben ist, ist der Zauber der Literatur dahin und da kann ein Plot auch nicht retten."

Die Buchhändlerin Bettina Wagner hält dagegen: "Für viele Leser und Leserinnen ist der Plot das Wichtigste, ob jeder Satz stimmt oder nicht, ist für sie oft nebensächlich", meint sie und weist auf die Kluft zwischen Literaturkritik und Verkaufserfolg hin.

Ein starkes Österreich-Jahr

Bei Publikum und Kritik konnte jedenfalls Literatur aus Österreich punkten und die war 2018 prominent vertreten - mit Namen wie Norbert Gstrein, Michael Köhlmeier, Peter Henisch und Josef Winkler, bis hin zu Wolf Haas und zum Buchpreisträger Daniel Wisser. Und viel Aufmerksamkeit gab es für Philipp Weiss mit seinem Debütroman "Am Weltenrand sitzen die Menschen und lachen". In fünf aufwendig gestalteten Bänden und fünf verschiedenen Genres spannt 36-jährige Wiener da einen Bogen vom Paris des 19. Jahrhunderts bis in das Japan unserer Gegenwart.

Das Buch lebt

"Wenn ich Buchhändler wäre, würde ich dieses Jahr in die Hände klatschen", sagt Wolfgang Paterno, "allein bei Suhrkamp sind nicht nur die wunderbaren Bände von Philipp Weiss erschienen, sondern auch eine Peter Handke Bibliothek, und nicht zu vergessen die "Gesammelten Gedichte" von Wolf Wondratschek bei Ullstein, Weltklasse ist das. Und ein überdeutliches Zeichen, dass das Buch lebt."

Der lokale Buchhandel freut sich auch über ein Plus von 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Service

Arno Geiger, Unter der Drachenwand, Hanser
Haruki Murakami, Die Ermordung des Commendatore, Band 1, DuMont
Elena Ferrante, "Die Geschichte des verlorenen Kindes", Suhrkamp
Thomas Stangl, "Fremde Verwandtschaften", Droschl
Robert Seethaler, "Das Feld", Hanser
George Saunders, Lincoln in Bardo, Luchterhand
Norbert Gstrein, Die kommenden Jahre, Hanser
Michael Köhlmeier, Bruder und Schwester Lenobel, Hanser
Peter Henisch, Siebeneinhalb Leben, Deuticke
Josef Winkler, Laß dich heimgeigen, Vater, oder Den Tod ins Herz mir schreibe, Suhrkamp
Wolf Haas, "Junger Mann", Hoffmann & Campe
Erich Hackl, Am Seil, Diogenes
Philipp Weiss, Am Weltenrand sitzen die Menschen und lachen, Suhrkamp
Daniel Wisser, "Königin der Berge", Jung und Jung
Wolf Wondratschek, Gesammelte Gedichte, Ullstein
Peter Handke Bibliothek, Suhrkamp
Wolfgang Kraushaar, "Die 68er-Bewegung international - Eine illustrierte Chronik 1960 - 1969" (4 Bände), Klett-Cotta
Annette Ramelsberger u.a., "Der NSU-Prozess - Das Protokoll", Kunstmann
Stephen Greenblatt, "Der Tyrann - Shakespeares Machtkunde für das 21. Jahrhundert", Siedler
Toni Morrison, "Die Herkunft der anderen - Über Rasse, Rassismus und Literatur", Rowohlt
Flannery O'Connor, "Keiner Menschenseele kann man noch trauen", Arche
Gerhard Jäger, All die Nacht über uns, Picus
Ljuba Arnautovic, "Im Verborgenen", Picus
Hanna Sukare, Schwedenreiter, Otto Müller
Martin Prinz, "Die unsichtbaren Seiten", Insel
Francesca Melandri, "Alle, außer mir", Wagenbach
Michel Houellebecq, Titel folgt, DuMont

Gestaltung

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